Es ist ein Bildersturm: Erstmals hat das Smartphone den Fernseher als „wichtigstes Bildschirmgerät“ überholt. Die Altäre in Deutschlands Wohnzimmern, sie sind gestürzt. Schon vor 33 Jahren hat eine Studie der EKD der Digitalisierung paradigmatische Veränderungen für unsere Gesellschaft unterstellt . Nun erleben wir, wie das selbst ein Mega-Medium wie das Fernsehen trifft.

Vor 33 Jahren wies Theodor Strohm in einer Studie der Kammer für Soziale Ordnung (EKD) auf die umfangreichen Auswirkungen durch „Die neuen Informations- und Kommunikations-techniken“ hin: „Die neuen Techniken entwickeln in unserer Gesellschaft Tiefenwirkungen, deren Konsequenzen erst allmählich ins allgemeine Bewusstsein dringen. Der Bedeutungsgrad der Veränderungen reicht weit über die einzelnen Teilbereiche hinaus: Er liegt in der Veränderung nicht nur einzelner Handlungsstränge, sondern der Handlungsprinzipien, der Erfahrungs-, Denk- und Vorstellungsgewohnheiten; verändert wird nicht nur die Struktur derBetriebeund Behörden, sondern auch die der Familie, der Freizeit, des Alltags. Damit wird deutlich, dass nicht nur die einzelnen Wirkungsbereiche zu bedenken sind, sondern auch die Auswirkungen auf unser Selbstverständnis, auf unsere Kultur. Wie in Produktion, Arbeitsorganisation, Informationsverarbeitungund Medientechniksteht die Entwicklung unserer Kultur vor einem größeren evolutionären Schritt.“

Zur Erinnerung: Das eigene Gerät im Wohnzimmer stellte eine der größten Veränderungen im privaten Leben dar. Das Fernsehen dar veränderte die Zeit, in der die Familie gemeinsam sich zum Abendbrot treffen würde und gab Uhrzeiten wie 20Uhr eine neue Bedeutung. Nun wankt das lineare Fernsehen – die meisten / viele schauen nicht mehr „linear“ – sondern –non-linear. Im aktuellen „Digitalisierungsbericht 2018“ (https://www.die-medienanstalten.de/publikationen/digitalisierungsbericht-video/news/digitalisierungsbericht-video-2018/) heißt es: „Gefragt nach dem wichtigsten verfügbaren Bildschirmgerät im Allgemeinen, nennen in diesem Jahr rund 37 % der Personen ab 14 Jahren ihr Smartphone.“ Der Fernseher kommt noch auf 31,1 Prozent.

Für Kirche von großer Relevanz: Beruhen die „Sonderrechte“ in den Landesgesetzgebungen vor allem auf dem Prinzip des linearen Fernsehens – ein Recht auf das „Wort zum Sonntag“ gibt es online nicht. Hier muss Kirche sich eine eigene „Relevanz“ erkämpfen.

Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Smartphones in allen Lebensbereichen immer weiter, zweieinhalb Stunden oder mehr pro Tag nutzen es die unter 30-Jährigen. Eine Reportage des rbb aus dem Alltag einer Familie macht das anschaubar (https://www.ardmediathek.de/tv/Himmel-und-Erde/Leben-mit-dem-Smartphone/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3907830&documentId=56066646). Besonderheit am Rande: Dieses Stück fürs Fernsehen wurde komplett mit einem Smartphone gedreht. Das wirkt zunächst besonders nah dran – erinnert aber auch manchmal an Opas Heimvideos.

Ach ja, das Smartphone. Elektronisch Fahrkarten zu kaufen ist da längst selbstverständlich, auch Bankgeschäfte, natürlich Messenger und Facebook und co. Auch kirchliche Websites sind häufig für Mobilgeräte optimiert. Welche – teils spektakulären – Möglichkeiten sich durch Virtuelle Realität (VR) auf Handys für die Kirche ergeben könnten, hat Kollege Micha Steinbrück schon angedacht (https://digitale-kirche.info/2018/09/26/die-kirche-entdeckt-virtual-reality/).

Experten warnen bereits vor Suchtgefahr. Was heißt das für uns, wenn immer mehr Menschen ihre Mobiltelefone immer länger nutzen? Was heißt das, wenn Nutzer Glaubens-Fragen haben? Das Telefon in der Jackentasche trägt unsere Angebote ganz dicht an mögliche Nutzer heran. Welche interessanten Inhalte haben wir, damit dann auch der letzte Klick auf unsere Seiten folgt? Habt Ihr gute Beispiele oder Ideen, was noch entwickelt werden müsste?

Autoren: Dirk Altwig und Klaus-Motoki Tonn

 

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